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CAS2022 : edito auf Deutsch

Leitartikel „Die Schönheit wird die Welt retten“.

Unter der Feder von Dostojewski, genauer gesagt in seinem Roman „Der Idiot“, und zwar im Mund seiner Hauptperson, des Fürsten Myschkin, findet sich dieser berühmte und überraschende Ausspruch: „Die Schönheit wird die Welt retten!“ Wie aber finden und retten wir die Schönheit, um eine verwundete Welt zu retten?

Ein großes Unterfangen…. Schon Baudelaire sagte: „Jeder verletzt sich beim Kontakt mit der Schönheit, und sie thront in himmlischem Blau wie eine unverstandene Sphinx.“ Die Schönheit ist

gebrechlich, vergänglich, einzigartig, faszinierend, äußerlich und innerlich. Zugleich ist sie aber auch Sinnbild des Sakralen, eines der Attribute Gottes. „Spät habe ich dich geliebt, so alte und doch so neue Schönheit, spät habe ich dich geliebt. Du warst in meinem Inneren, ich aber war außerhalb meiner selbst“, schrieb St. Augustin.

 

„Von Kunst zu reden, heißt, von Schönheit zu reden. Wie die Natur tatsächlich die göttliche Sprache des Schönen ist, so ist die Natur davon offensichtlich bewusst auch die menschliche Sprache“, schrieb Kardinal Mercier (1) .Von Weißenburg bis Feldbach über Straßburg und Kehl zeigen uns die Künstler der 24. Auflage des Wegs sakraler Kunst schöne Beispiele hierfür. In Straßburg und Kehl findet dazu heuer ein ökumenisches deutsch-französisches Projekt unter dem Motto „Das verlorene Paradies“ statt.

 

Sehnen wir uns denn nicht noch nach einer Art „verlorenem Paradies“ zurück, nach einer Harmonie, die menschliche Schuld zerstörte? Dieses Eden scheint uns heute so fern, so sehr wie der Mensch die Natur zerstört und dabei vergessen hat, dass er sie als Mitschöpfer nach dem Bild Gottes hätte achten sollen.

 

Dante beschrieb das Paradies als etwas in der Luft Hängendes. Milton, ein englischer Schriftsteller, verfasste im 18. Jahrhundert ein langes Gedicht mit dem Titel „Das verlorene Paradies“, in dem er das Leben vor und nach dem Sündenfall beschrieb. In unseren säkularisierten Gesellschaften“, schrieb die Psychoanalytikerin Anne-Marie Saunal, „leben Paradies und Hölle weiterhin in der Psychose unserer Zeitgenossen.“ „Das Paradies erscheint wie eine unbewusste Erinnerung  an eine paradiesische Erfahrung im Mutterleib oder auch als die Antwort auf einen Wunsch, mit Gott, dem Barmherzigen, in Verbindung zu treten“, fügte Benoît de Sagazan hinzu.

 

Das Paradies“, sagt uns Pierre Miquel. „ist die typische Utopie, (…). Der Versuch, das Paradies auf Erden zu verwirklichen, unterstützt zwar die Dynamik der Existenz, kann aber nur zur Illusion werden, wenn (…) man nicht seine Hoffnung auf ein wirkliches, aber unvorstellbares Paradies setzt: den Ort Gottes“.

„Die Kunst hat einen doppelten Zweck: das Wahre zu beleuchten  und den Wert des Schönen aufzuzeigen. (…)Der Grundstoff der Künste ist das Sensible, (…) und insbesondere das menschliche Leben. (…) Mit einem Wort: Die bildende Kunst lebt die Wirklichkeit (2)“. Frucht innerer und intimer Erfahrung fern vom Getöse und der Hektik der Welt regt uns die Kunst wie die Idee des verlorenen Paradieses an, in Bewunderung zu geraten, unsern Blick, unsern Glauben, unser Anderssein und unsere Seele ansprechen zu lassen. Wie „der geräuschlose, verletzliche und doch kräftige Schmetterling, der keinen zu seiner Beute macht und Symbol des lebendigen Atems ist.“ (3) Wird die Welt aber die Schönheit retten?

 

Laurence Levard

Verantwortliche des Wegs sakraler Kunst

(1) Revue néoscolastique de philosophie, Louvain, Februar 1908, Seite 12

(2) Ebenso dort auf Seiten 18, 19 und 20

(3) Gravur von Sylvie Bethmont, einer Künstlerin, die in der katholischen Kirche Jung-Sankt-Peter ausstellt

 

„Die Schönheit wird die Welt retten! Wird aber die Welt die Schönheit retten?